Prosa

«Wie die Milch aus dem Schaf kommt» (Roman. verlag die brotsuppe. Biel 2019) Nach einem unerwarteten Fund in der Hinterlassenschaft ihrer Grossmutter Pauline macht sich Selma Einzig auf eine Reise ins Thurgau, in die Ukraine und nach Israel. Die Reise führt zu Orten der Selbstentdeckung. Das Erfinden von Erinnerungen, das Fabulieren, das Erforschen von Gegenwart und Zufallsbekanntschaften erweisen sich als überraschendes Mittel um Lücken aus der Vergangenheit zu füllen. Die autobiographisch inspirierte Familiengeschichte berichtet von papier- und mittellosen Vagabunden, die als Flüchtlinge in der Ostschweiz die erste Nudelfabrik gründeten. Der Bericht einer Reise in die Wüsten und Steppen des Südens und des Ostens und in die Abgründe der Vergangenheit einer Familie verwebt sich mit einem Stück Industrie- und Migrationsgeschichte aus der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Eine Suche nach der eigenen Herkunft, die höchst ambivalent bleibt und mitunter auch von einem verstörenden Unbehagen begleitet ist. Selma Einzig lässt ihr Vorhaben am Rand eines Kraters in der Wüste Negev in Rauch aufgehen. Was bleibt ist das Bild der verschollenen Mutter und der Name für Sehnsucht: Valparaiso

In meinem Roman «Wie die Milch aus dem Schaf kommt» geht es darum, dass es das, was heute als Krise angeschaut wird, schon immer gegeben hat und immer geben wird. Dass wir vermutlich (fast) alle irgendwann von irgendwoher gekommen sind. In Clarice Lispectors Worten: Die Menschen unterscheiden sich nicht aufgrund ihrer Substanz und Beschaffenheit als vielmehr durch den Rhythmus und die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen. Es geht darum, mit den Zähnen den Tod aufzuknacken und mit der Zunge ein Stück Gold zu finden. Nochmals Clarice Lispector: Mir hat von einem Esel geträumt. Ein Königreich bekomme ich. Es geht auch um das Erinnern und das Erzählen. In Max Frischs Worten: Wann wird aus Erinnerung eine Fiktion? Was an der Fiktion ist Erinnerung? Ist das eine ohne das andere denkbar? Es geht um die abenteuerliche und beschwerliche Reise der Selma Einzig. Die ich nicht nur ihres einzigartigen Namens wegen liebe, denn … the feeling of intensity is the feeling to be alive: I love life / I love my life / I love my being alive … Es geht um die schwarze Vagabundin Hannah Yuter. Die mindestens zehn (verrückte) Leben hatte. Und um die Erfindung der Nudelindustrie in der Schweiz.

«Bring mir Jagdfang» (Roman. Offizin Verlag. Zürich 2016 ) Laurenz Mayer und Sybil Stettenbach reisen mit ihrem kleinen Sohn aus der Schweiz nach Lagos in Nigeria, um ein neues Leben zu beginnen. Doch das neue Leben zerbricht noch bevor es richtig begonnen hat. Die kammerspielartige Erzählung beleuchtet den emotionalen Mikrokosmos im Haus von Laurenz und Sybil, der von Lebenslügen und Abhängigkeiten geprägt, zur Mimesis vergangener Kolonialzeiten wird. Während Laurenz seiner Tätigkeit als Berichterstatter der Oputa Panels (Human Rights Violations Investigation Commission) nachgeht, versucht Sybil sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Ihre ziellosen Ausflüge mit dem Chauffeur Dada Jiala führen sie mitten in das Chaos der Millionenmetropole Lagos.

«Wildnis» Ein überstürzte Reise nach Chile und eine leichtsinnige Wanderung zum unerreichbaren Pazifik führen die junge und etwas verrückte Elsa auf einen surrealen Erinnerungstrip. wildnis