Aktuell

«BRING MIR JAGDFANG»

Roman  / Offizin Verlag / Zürich 2016 erhältlich im Buchhandel (27.00 Franken / 24.00 Euro)

«Da ist ein Gefühl, das im Stück ‚Summertime‘ von Georges Gershwin zu finden ist – Hitze, Schwüle, die Spannung zwischen ‚lass mal‘ und ‚ich mach das jetzt‘. Die Sprache ist, als würde sie über einen hinwegfließen, und ehe man sich versieht, ist man Bestandteil dieses ‚ich mach jetzt nix, es ist zu heiß‘ und‚ man müsste mal Ordnung schaffen‘. So entsteht eine seltsame Empfindung, hervorgerufen durch die Anmutung der Ungerechtigkeit und diesem ‚man stirbt halt, machen Sie davon kein so großes Aufhebens’». Christine Krokauer

«Grossartig zeichnet Lier das Bild der resignierten EuropäerInnen in Nigeria, die hierher kamen, um zu helfen, die jedoch kläglich scheiterten. Was bleibt, ist ein überheblicher Zynismus, der schleichend in erschreckenden Rassismus übergeht.» Silvia Süess

«…energiegeladen, störrisch, irritierend. Verwebt die Auswandererthematik geschickt mit den Traumata des zurückgelassenen Lebens.» Rainer Weiss

«WORT, KLANG UND BILD: LYRIK IM GESPRÄCH»

SRF2, Passage. Ausgestrahlt am 25./27. November 20 Uhr resp. 15 Uhr. Im Zentrum von «Lyrik im Gespräch» steht die Künstlerin Johanna Lier mit eigenen und angeeigneten Gedichten, mit DichterInnen, die ihr wichtig sind – und mit der Musikerin Stella Glitter, ihrer E-Gitarre und ihren Lyrik-Vertonungen.

«TURBULENCE AND RECONSTRUCTION – TRANSDISCOURS 2»

Edited by Jill Scott / De Gruyter / Berlin & Boston 2016
An Anthology of essayistic Viewpoints on Society from the Arts and the Sciences
Johanna Lier and Nurit Sharett: The Big Gap
Ist ab jetzt im Buchhandel erhältlich (40.00 Franken/ 36.00 Euro)

Literatur

Bild: Jean Perret / Text Johanna Lier

 

«so what» sagt der Text, und man fällt in ihn hinein, in ein Erzählen, das um Lücken herum tanzt, abbricht und anfängt, ein du, ein ich entstehen lässt, einen Dialog, einen Monolog. Aus ihm sickern Bilder, Landschaften, Gegenstände mit einer Eindringlichkeit, die alles lebendig macht. Die rotgemusterten Schüsseln hören das Licht, der blaue Hemdenknopf ist das Meer, der Wind, die Insel voller Vögel, der Kaffee hinterlässt eine Landschaftsspur am Glas, und die Haarspange hütet das Geheimnis einer Freundschaft, gerade weil sie vergessen wurde, irgendwo auf einem Tisch, an dem jemand hebräische Wörter lernt…
Astrid Schleinitz

Journalismus

…eine Umfrage bei Verkehrsämtern in der Schweiz hat nun aber ergeben, dass der Konsum von Gedichten in Strassenverkehrsstatistiken der vergangenen Jahre keine Rolle gespielt hat. Einerseits ist das natürlich erfreulich. Andererseits ein wenig bedenklich: Die Statistik lässt vermuten, dass die Lyrik in diesen Zeiten und Breitengraden ein eher marginales Dasein fristet.Warum eigentlich? Johanna Lier, selbst Lyrikerin, begab sich auf interkontinentale Spurensuche – und kommt mit der Erkenntnis zurück, dass es gerade das Gedicht sei, das (wie die argentinische Dichterin Olga Orozco einmal schrieb) «verborgene Bezirke und unaussprechliche Wünsche» erforscht. Und manchmal hat ein Gedicht sogar den Anspruch, in die gesellschaftlichen Verhältnisse einzuwirken, 
Massen zu bewegen oder gar Machthaber zu stürzen…
Adrian Riklin

Projekte

Unter welch prekären Bedingungen Kulturschaffende oft arbeiten, ist ein Thema, das die Zürcher Autorin Johanna Lier seit längerem umtreibt. So schrieb sie im Mai in der WOZ über KünstlerInnen und das Prekariat (siehe WOZ Nr. 18/12). Und nahm sich selbst als Beispiel: «Doch will ich nicht klagen. Es geht mir gut. Sehr gut sogar, wenn ich meine Situation vergleiche mit jener meiner Bekannten in Teheran, Buenos Aires, Tel Aviv oder Beirut … oder nur mit jener der Kassiererin in der Migros um die Ecke. Sogar Bekannte, die in einer Grossbank traumhafte Saläre einstreichen, beneiden mich um mein Leben, da ich tue, was ich will, aus Leidenschaft arbeite und bereit bin, den Preis des Lebens von der Hand in den Mund zu bezahlen – wenn sie sich auch nicht vorstellen können, wie so etwas funktionieren soll.» Johanna Lier, Schauspielerin, Regisseurin, Autorin, hat sich in den letzten Jahren vor allem mit ihren Dichtungen einen Namen gemacht, wobei sie sich mit vielfältigen lyrischen Traditionen der ganzen Welt auseinandersetzt. «Ja. Ich bin ein freies, modernes Subjekt. Denn meine Prekarisierung als Künstlerin unterliegt der Illusion, selbst gewählt zu sein.» Was sie im Mai in der WOZ formulierte, dürfte sie also weiter beschäftigen…
Silvia Süess

Kontakt

Johanna Lier
Bild: Mara Truog 2015
Mail: johanna.lier (at) tutanota.com
Tel: +41 78 881 31 43
Bücherbestellung im Buchhandel
oder direkt unter: johanna.lier (at) tutanota.com